Vegan unterwegs

Gestatten, Nadine – Vegetarier und Teilzeit-Veganer. Seit mehr als 20 Jahren schon esse ich kein Fleisch und keinen Fisch. Seit zwei Jahren verzichte ich größtenteils auf Milch und Eier. Nur bei Käse und Schokolade werde ich immer wieder schwach, so dass es bisher nur zum Flexiganer gereicht hat. Aber ich arbeite daran!

In großen deutschen Städten wie Berlin, Köln oder Düsseldorf ist es leicht, ohne tierische Produkte zu leben. Jeder anständige Hipster isst vegan. Aber wie läuft das in anderen Ländern? Selbst in Bayern kann es in manchen dörflichen Gegenden schwierig werden. Da schaut die bäuerliche Kellnerin schon mal pikiert, wenn du auf vegane Kost bestehst. Rechtfertigungen sind müßig.

Deshalb mein Tipp: Behaupte einfach, du reagierst hochgradig allergisch auf tierische Produkte und man musste schon zwei Mal den Krankenwagen rufen, weil du fast erstickt wärst. Kein Restaurant wird dieses Risiko eingehen wollen.

Das beste Reiseland für Vegetarier und Veganer ist selbstverständlich Indien. Auch in Südostasien findet der Tofuliebhaber eine große Auswahl leckerer, frischer und fleischfreier Speisen. Der Vegetarismus ist im buddhistischen Glauben verankert und somit in der Landesküche üblich. Aber auch in England und Israel entwickelt sich mittlerweile eine große vegetarische Szene.

Grundsätzlich ist es möglich, in jedem Land ein veganes Menü zu bekommen und sei es nur Pasta mit Tomatensauce. Für das Frühstück bringe ich mir oft Brotaufstriche selbst mit.

Es gibt jedoch Länder, da sieht es nicht so rosig aus für Vegetarier, geschweige denn für Veganer. Japan zum Beispiel. Fast alle japanischen Suppen basieren auf Dashi-Brühe, die aus Bonitoflocken und Kombu-Seetang gezogen wird. Bonito ist eine Thunfischart. Da sollte man genau nachfragen und auf Gemüse-Tempura oder vegetarisches Sushi umsatteln. Als ich in Japan war, habe ich resigniert. Das gebe ich ehrlich zu.

Große Probleme hatte ich immer wieder in Russland und in der Mongolei. In Moskau oder Ulaanbaatar sucht man zwar lange, hat aber eventuell Glück. In Sibirien und im mongolischen Outback eher weniger. Und was will man von Nomaden im Grasland, die von den Milch- und Fleischprodukten ihrer Tiere leben, auch anderes erwarten? Ich kann nicht als westlicher Hipster in einer mongolischen Jurte westlichen Food-Style verlangen. Dann sollte man solche Reisen eher nicht unternehmen.

Und auch in anderen Ländern mache ich hin und wieder eine Ausnahme. Ich fühle mich dann zwar schlecht, aber ich bin schon öfters in Situationen geraten, in denen es schlicht unhöflich gewesen wäre,  auf meine Essgewohnheiten zu bestehen.

Allerdings in Großstädten bleibe ich dogmatisch und weigere mich strikt auf Fleisch und Fisch auszuweichen. Wenn ich zahle, dann erwarte ich auch etwas für mein Geld. Und ich empfinde es als ignorant, vegane und vegetarische Speisewünsche zu vernachlässigen.

Schwierig sind ebenfalls Einladungen. Wenn die türkische Großfamilie dich zu Tisch bittet, ist es eine Frage von Respekt und Feingefühl, was du ablehnst und annimmst. Zur Not funktioniert jedoch die Ausrede „aus religiösen Gründen esse ich kein Fleisch.“ Das respektieren und verstehen die meisten Gastgeber.

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was akzeptabel ist oder nicht. Doch trotzdem solltest du auf Nachhaltigkeit sowie Tier- und Umweltschutz achten. Wir haben nur diesen einen Planeten. Protect it!