Tussi on Tour

Ich bin eine Frau. Das mag dem einen oder anderen Leser aufgefallen sein. Viel schlimmer noch: Ich bin zuweilen eine Tussi. Und das kann eine Reise maßgeblich erschweren.

Trotz all meiner divenhaften Allüren übe ich mich in Demut und Bescheidenheit. Ernsthaft!

Meine neueste Herausforderung: Ich versuche nur noch mit Handgepäck zu verreisen. Alles Chichi daheim zu lassen. Nur drei Paar Schuhe statt sechs. Nur zwei Lippenstifte statt acht. Und keine zwölf Shirts und zehn Hosen.

Das fällt schwer. Ob ich das jemals schaffen werde? Dabei hat das Reisen allein mit Handgepäck so viele Vorteile! Denn schwer bepackt macht das Unterwegssein keinen Spaß!

Hier die Top-Vorteile für „only Handgepäck“. Ob für 1 Woche oder für 1 Jahr.

1. Es geht nicht verloren. Zum Beispiel mit Air Berlin (vielleicht kann mir irgendjemand mal erklären, wieso denen das immer wieder passiert?!).

2. Wenn dir ein indischer Busfahrer dein Gepäck vom Dach seines Gefährts aus zwei Metern Höhe entgegenwirft, bist du froh über acht statt achtzehn Kilo.

3. In überfüllten U-Bahnen steht es sich besser mit wenig Gepäck.

4. Dein Rucksack oder deine Tasche ist immer bei dir. Größeres Gepäck wird in Fliegern, Zügen, Bussen zumeist von dir getrennt.

5. Du kannst online einchecken und musst nicht Schlange stehen.

6. Du musst weniger daheim waschen, wenn du zurückgekehrt bist

7. Es ist leichter!!!

Ach, was habe ich meinen Tigerlilly-Trolley geliebt. Den verstörten Blicken meiner Mitmenschen schenkte ich keinerlei Beachtung. Doch die Zeiten sind vorbei. Nun reise ich zuweilen als Backpacker. Understatement versteht sich. Und das möglichst so unbeschwerlich wie möglich. Wobei ich schummele. Ich bin kein Vollblut-Träger. Ich suche andere Lösungen.

Okay, ich gebe es zu. Manchmal überkommt es mich und ich greife doch noch zum großen Rollkoffer mit Gimmicks. Ich bin ja auch noch in der Lehre. Aber ich überlege nun ganz sorgfältig, ob ich wirklich die schwarzen Lack-Highheels in der Wüste brauche. Eine kleine Stimme flüstert zwar immerzu: „Wer weiß, wo du landest. Vielleicht wirst du vom britischen Botschafter auf eine Promi-Gala eingeladen und musst eine Rede zur Lage der Nation halten. Und stell dir vor, du hast dann keine schwarzen Lack-Pumps dabei!!“ Aber ich muss stark bleiben. Wahrscheinlich werde ich nicht eingeladen. Und wenn doch, dann glänze ich mit Understatement. Naja, vielleicht.

Es wäre jedoch gelogen, wenn ich den Rucksack auf dem Rücken lieben würde. Richtig glücklich bin ich damit nicht.

Den perfekten Backpack gibt es nicht und Chaos ist trotz ausgeklügeltem Packsystem vorprogrammiert. Die Klamotten sind zerknittert, man sucht ständig irgendwas und die Schultern schmerzen. Egal wie leicht der Rucksack auch sein mag. Irgendwann nervt er. Noch warte ich auf die eierlegende Wollmilchsau.

Herausgefunden habe ich aber zumidest eines: Der Rucksack muss komplett zu öffnen sein! Nicht nur oben. Glaub mir, das macht dich auf Dauer wahnsinnig!

Und noch was ist klar: Nie wieder möchte ich mich mit 15 Kilo auf dem Rücken durch brütend heiße Städte schleppen. Und alle Sachen, die ich für den „worst case“ einpackt habe, benutze ich dann sowieso nicht. Nein, sie liegen schwer auf meinen Schultern und auf meinen Nerven.

Ganz schlimm auch die Variante: Hinten Rucksack, vorne Rucksack. Nicht nur, dass dieser Packesel-Style einfach grausig aussieht. Und da spricht nicht die Düsseldorfer Fashionista aus mir. Nein, viel unerquicklicher ist die Tatsache, dass die Leichtigkeit abhanden kommt. Und darum geht es doch auf Reisen:

Leichtigkeit im Körper, im Hirn und im Herzen.